Liebe Kameraden und Freunde meines Vaters Hajo Herrmann,
am 21.11.2010 bestatteten wir meinen Vater auf der Ostsee vor Kiel. Der kleine Kreis der Familie war bewusst gewählt worden. Es war auch sein Wunsch.
Die See war ruhig – eine November-Stratusdecke bei guter Sicht lag über der Fördeneinfahrt. Es wurde die Air von Bach gespielt. Eine einzelne Möwe begleitete uns.
Gerne hätten viele Mitstreiter seines Lebenswegs am letzten Geleit teilgenommen. Ein größerer Kreis war für uns nicht vorstellbar, auch wenn es uns schwer fiel Absagen erteilen zu müssen. Eine Abgrenzung wäre nicht möglich gewesen. Auch, wenn wir schon immer allerhand Rabatz gewohnt waren, wäre das nichts für diesem Moment. Rio Bockelmann hat es treffend beschrieben.
Es gab überwältigend viele, höchsten Respekt aussprechende Bekundungen. Dafür danken wir sehr, denn es bewies uns noch einmal, dass echt war, was er sagte.
Die meist benutzten Vokabeln aus Zuschriften waren: Geradlinigkeit, Aufrichtigkeit, Mut, Tapferkeit, Patriotismus, Vorbild…
Wir ergänzten mit einigen Anekdoten seiner Unmöglichkeiten und mussten auch viel lachen.
Dann
8 mal glasen = Wachwechsel. Wer übernimmt?
Ein kurzer Wortwechsel nach der Urnenbestattung mit meiner 15 jährigen Tochter:
Sie: „Papa, bist Du nicht traurig, dass es keinen Platz gibt, an dem Du ihn mal besuchen kannst?“
Ich: „Nein – immer wenn ich über diese Stelle fliege, werde ich an ihn denken. Und schließlich ist er nicht etwa nirgends, sondern überall.“
Sie: „In der Homöopathie ist die Wirkung um so größer, je stärker das Mittel verdünnt wird.“
Nachtrag:
Er schrieb ein drittes Buch, mit seinen Erfahrungen der Nachkriegszeit ab 1955. Er stellte es nicht ganz fertig, denn das hätte bedeutet diesen Abschnitt und damit sein Leben als beendet zu erklären.
Ich werde es weiter bearbeiten und eines Tages öffentlich machen.
Benno Herrmann
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Ausspreche Anerkennung
(„Kein Tadel muss Lob genug sein!“)
Von Mut, gedanklicher Unabhängigkeit und Umgang mit Regeln:
Mut:
Mut wird heute oft mit fehlendem Erkennen möglicher Konsequenzen und somit mit Dummheit gleichgesetzt. Im Extremfall führt es zu absolutem Stillstand, denn letztlich gibt es immer einen Grund etwas nicht zu tun, nichts zu wagen.
Viele unglaublich anmutende Dinge die er tat, muss man wohl vor dem Hintergrund des von ihm Erlebten beurteilen. Es war eine Entwicklung, wobei die Veranlagung schon immer vorhanden war, sich Gefahren auszusetzen. Später wurden Drohgebärden als übliches Regulativ der Abschreckung einer zivilen Gesellschaft, welches bei den meisten Menschen Wirkung zeigt, von ihm als belustigend empfunden wurden.
Wenn es darauf ankam nahm er es mit Jedem auf. Man merkte, dass er dann erst in Fahrt kam. Das machte uns Stolz auf diesen Kerl.
Z.B.:
• Eine vermummte Demonstrantenkette vor dem Hilton Düsseldorf wollte vor rund 10 Jahren eine Veranstaltung der Ritterkreuzträger behindern. Die Kette blockierte den Eingang zum Hotel, sie riefen „Nazis raus.“ Die Polizei sicherte taten- und planlos im Hintergrund. Die Gäste standen ebenfalls ratlos in der Kälte. Er ging allein Richtung Eingang und zog einem der Vermummten die Maske vom Gesicht: „Ich will Sie sehen!“ Die Überraschung gelang, die Sperre löste sich auf, die Veranstaltung konnte ohne Eskalation stattfinden.
• Als in unserem Vorgarten eine Bombenattrappe von politisch anders Denkenden gefunden wurde, beeindruckte ihn das nicht.
• Die Reise nach Murmansk. Eine Reise auf einer russischen Fregatte – mit lauter Matrosen die er, oder Besatzungen seines KG 30 bombardiert hatte für 2 Wochen auf See, auf der Suche nach den Schiffswracks. Die Zeitung von Murmansk kündigt ihn dort mit der Schlagzeile an: „Der Deutsche kommt, lasst ihn uns eins auf die Schnauze hauen!“ Er meinte die Russen neigen eben stark zur Emotionalität, kein Grund zur Unruhe. Außerdem hätte sich schließlich kein Deutscher seit Ende des Krieges dort blicken lassen, es wäre ja wohl an der Zeit. Unmittelbar danach lud ihn die russisch-baltische Admiralität als Ehrengast zur 300-Jahrfeier nach Sankt Petersburg ein.
Umgang mit Regeln:
Im Allgemeinen vereinfacht das Einhalten von Regeln das menschliche miteinander. Noch besser klappt das, wenn alle die gleichen Regeln anerkennen. Evtl. wird dadurch das Leben aber auch etwas öde und förmlich.
Genau das widerstrebte ihm wohl schon immer. Provozieren, Andere foppen, aus der Reserve locken, das gibt der Sache Würze. Aus zuverlässigen Quellen ist mir bekannt, das dies in früher Kindheit begann. Nicht umsonst war Lotti, seine an sich an sich äußerst friedliebende Schwester, mit der Schere hinter ihm her, um ihn zu erledigen. Extratouren gab es schon früh und viele – mit dem Faltboot über die Ostsee usw. Das war schon damals nicht erlaubt.
Dann kam das Militär. Dort fiel dieses Merkmal, nach anfangs strenger Gängelung, auf fruchtbaren Nährboden. Fast immer glückten seine Regelverstöße und seine Vorgesetzten mussten ihn loben, weil ihm der Erfolg recht gab. Es gab Orden weil er mit hoffnungslos überladenen Flugzeugen startete, die Bomben aber ins Ziel brachte.
Er bekam mehr und mehr freie Hand und das Unkonventionelle wurde sein Markenzeichen. Die Standardaufgaben, 08/15 in der Routine, machten ihm eher Probleme. Diese Entwicklung ließ sich nie wieder zurückdrehen, das Selbstbewusstsein wurde unerschütterlich. Daran änderten auch 10 Jahre Russland nichts. Wer ihn kontrollieren wollte, trieb das oft zur Weißglut, weil nichts von dem griff, was an Mitteln zur Verfügung stand. Ich meine damit auch – die eigene Familie. Aber langweilig war es nie.
Freiheit
Er sagte: „Freiheit kann man nur erlangen, wenn man viel zu ertragen bereit ist.“ Und im Nebensatz etwas leiser: „Das heißt ja zum Glück nicht, dass es zum Äußersten kommen muss.“
Konsequent weitergedacht heißt das, dass man Entsagungen von der warmen Badewanne des Luxus üben muss. Im täglichen Wohlstandsleben ist das allerdings schwer zu demonstrieren, daher nutzte er die Gelegenheiten der Abwesenheit unserer Mutter um Intensivkuren mit uns durchzuführen. Immer wieder gab es Situationen die unglaublich viel Komik mitbrachten, hatte man erst den Schock über das Ungewöhnliche überstanden.
Also vermittelte er uns schon im zarten Alter Fähigkeiten, die er für wichtig hielt:
Einzelkämpferernährung in der Großstadt:
Mit Luftgewehr bewaffnet ging es unter die Rheinbrücken, wo die Kalorien in Form von Tauben unter Beobachtung der Sonntagsspaziergänger trudelnd zu Boden gingen. Fast vollständig gerupft schmorten sie kurz darauf im heimatlichen Ofen. Mais und Kartoffeln hatten wir von den umliegenden Feldern zu organisieren. Geht doch! – die Sauerei in der Küche brachte unsere Mutter nach Rückkehr von der Konzertreise an den Rand der Verzweiflung. Die Rücksichtnahme auf die Zivilbevölkerung beschränkte sich dabei darauf, dass das Gewehr in eine Wolldecke eingewickelt wurde bevor wir das Haus verließen.
Urlaub auf dem Land:
Mit dem Auto fuhren wir zu dritt nach Holstein und ließen uns mit Zelt beim Bauern nieder. Es gab morgendliche Rituale die ich später bei der Bundeswehr wiedererkannte. Morgens nackt waschen – 9 Liter Wasser aus dem Eimer – klatsch – fertig – nächster, im Wind trocknen. Morgentliches Deckenfalten mit bis dahin ungekannter Präzision – entnervend „Eck auf Eck!“.
Schießübungen liegend aufgelegt auf Grashalme. „Hacken auf den Boden!“
Die Elster und der Turmfalke meines Bruders waren dabei unsere Urlaubsbegleiter. Sie schissen erst das Auto, dann das Zelt voll. Darüber mokierte er sich nie, sondern nahm es als gegeben hin.
Schachspielen daheim:
Es wurden die Regeln erklärt, danach gab es nie mehr Gnade. Uns gewinnen zu lassen, um die Motivation zu steigern? Das käme einer Beleidigung gleich. Als ich ihn zum ersten Mal besiegte, lobhudelte er mit den Worten: „Ausspreche Anerkennung.“
Damals fanden wir das normal, wir kannten es ja nicht anders. Unsere Freunde und deren Eltern argwöhnten, die Überbeschützten taten uns stattdessen Leid.
Politische Erziehung:
Für uns wurde aus praktischen Gründen das nächstgelegene Gymnasium gewählt, welches zugleich aber aufgrund des relativ jungen Lehrkörpers zu dem wohl Linkesten in Düsseldorf zu zählen ist. Im Politik-, Geschichts-, Erdkunde, Deutsch-, Sozialwissenschaftsunterricht wurde wir jahrelang fast auschließlich mit dem Dritten Reich konfrontiert. Das führte zu allerhand Verwerfungen in meiner keimenden Weltanschauung.
Wir genossen die teilweise hitzigen und leidenschaftlichen Reibereien bis spät in die Nacht. Er wollte analytisches Denken vermitteln, auch wenn ich zu einigen Themen bis heute nicht zu einer eindeutigen Meinung gekommen bin. Hier weiß, dort schwarz, aber ich lernte schwache Argumente zu erkennen.
Auf die Frage, wieso wir eigentlich ausgerechnet in dieser Schule belehrt wurden sagte er mir später: „…das ist schon in Ordnung, den Rest lernst du bei mir..“
Sein Auftreten bei Elternversammlungen endete schnell. Als er merkte, dass andere Eltern seinen Wunsch klassische Texte zu lernen für rückschrittlich hielten, dass seine Empfehlung an die Lehrer, die über Unruhe in unserer Klasse klagten, gelegentlich mal eine Watsch auszuteilen, ebenfalls auf wenig Gegenliebe stieß, zog er sich dort zurück. Den frühen Schlusspunkt seines Engagement bildete allerdings ein Auftritt an dem er den Schuldirektor vor versammelter Lehrer- und Schülerschaft gnadenlos als vollständig untragbar beschimpfte. Die Anwesenden waren peinlich berührt, wussten nicht, wohin sie blicken sollten, während er seine Giftpfeile abschoss. Er hatte Recht, denn der Rektor trat wieder einmal besoffen auf.
Fliegerische Erziehung:
In der früheren Kindheit war mir die Rolle die er im Krieg spielte, eigentlich egal. Er war ja unser Vater und von daher schon ein Held. Noch unter 10 Jahren erlaubte er uns in der Luft alles mögliche, aber besonders eins – nämlich fliegen – steuern. Dazu waren seine Hinweise hilfreich aber auch sehr lautstark, er griff fast nie ins Steuer, sondern ließ uns saumäßige Anflüge durchführen. Von allen nachfolgenden Fluglehrern hatte ich den Eindruck, sie hätten Kreide gefressen.
Nie bezweifelte ich seine fliegerische Kompetenz, dass wir vom Himmel fallen würde nicht passieren. Auf kürzeste Flugplätze konnte er ideal anfliegen, er wusste genau, wann es eng wird. Die Probleme ergaben sich mit der Flugsicherung, sie hatte nach dem Krieg an Autorität gewonnen. Damit konnte er sich nie anfreunden. Eines Tages flogen wir mit einem Kleinflugzeug ab Düsseldorf. Wir bekamen die Freigabe auf die Startbahn zu rollen. Er schob das Gas rein und schon hoben ab. Der Lotse auf dem Turm wies genüsslich, seiner Macht bewusst und eine Entschuldigung erwartend darauf hin, dass wir soeben ohne Startfreigabe gestartet seien.
Sie hörte sich so an: „Junger Mann, das scheint mir von ihnen aber reichlich überkonstruiert zu sein, da war keiner zu sehen und die Startbahn war frei.“ Die Reaktion konnten wir nicht hören, da er das Funkgerät ausschaltete.
Trotz allem merkte er, dass sich in den vergangenen Dekaden wohl allerhand geändert hat. Wir bemerkten das untrügliche Zeichen seiner Nervosität am heftigen Wildsauschnaufen, wenn wir nur in die Nähe von Verkehrsflughäfen kamen.
Der Nationalist:
Er liebte das Land und die Deutschen. Er gestand dieses Denken auch allen anderen Nationen zu, aber er wollte sich dieses Denken auch von niemand nehmen lassen. Er kannte die Menschen und unser Land wie kaum ein Zweiter, alle Distanzen und Kurse zwischen wichtigen Punkten kannte er auswendig.
Nach der Wende flogen wir einmal durch den wieder gewonnen Osten. Die Ostsee entlang bis Rügen, dann entlang der Oder, zum Kyffhäuser, nach Dresden und Suhl. Es war die Zeit in der sich die Westler noch schwer taten mit der Einigung. Für ihn war die Lage vollkommen klipp und klar und logisch. Genau so muss es sein und nie wieder anders, das merkten ihm die Menschen an und das tat ihnen gut, denn er behandelte alle Menschen frech- freundlich und provozierend, wie man es eigentlich nur mit Vertrauten tut. Für Argwohn ist dazwischen kein Platz.
Ernsthafte Abneigung anderen gegenüber zeigte er eher durch äußerst formelle Reserviertheit, dann war klar, dass es Probleme geben wird.
Ein krasser Fall ergab sich als in Fürstenwalde nach der Wende, als wir das geerbete Haus unserer Mutter aufsuchten. Die Adresse war bekannt, aber nicht alle Häuser trugen Hausnummer. Wir zählten also die Nummer ab und standen an einem Sommertag vor einem Gartenzaun. Ein älterer Herr werkelte im Garten. „Hallo!“ Keine Reaktion: „ Kommen Sie mal ran Mensch! Sie wohnen in unserem Haus!“ Dem Mann fuhr sichtlich der Schreck in die Knochen. Nach einer kurzen, spannenden Unterhaltung stellte sich heraus, dass wir vor dem falschen Haus standen. Zum Abschied stand dem Herrn der Schweiß auf der Stirn und nachdem ihm statt einer Entschuldigung noch an den Kopf geworfen wurde: „Na, bei Ihnen scheint aber auch allerhand faul zu sein.“ packte dieser aus: Tatsächlich hatte er sich das Grundstück zu einem lächerlichen Kaufpreis erschlichen – er gab es einfach zu!
USA, England, Frankreich, Spanien, Niederlande, Dänemark, Österreich, Russland, Argentinien u.a. Dort lebten von ihm respektierte Menschen, deren Politik gegenüber Deutschland beurteilte er davon vollkommen unabhängig.
Aus seiner – deutschen – Sicht war Alles, die gesamte Entwicklung des Krieges schlüssig und richtig. In Diskussionen darüber wich er nie aus und konnte gut argumentieren. Ich war ihm in diesem Bereich nicht gewachsen. Ich fragte ihn, warum er am bitteren Ende des Krieges immer noch sein Äußerstes gab, verlustreiche Befehle gab, es sei doch schon lange klar gewesen, dass alles verloren sei.
Er antwortete, dass er am Tag nach dem englischen Angriff über Hamburg flog. Es stand ein Rauchpilz bis über 6000 Meter über der Stadt. Er habe nie wieder hatte er eine solche Wut gehabt. Danach war ihm sein persönliches Schicksal egal. Er sagte:“ Wie kann man da nicht sein Äußerstes geben? Ihm war klar, dass man die Deutschen rest- und gnadenlos umbringen wollte. Wer weiß schon vorher, wann nachher Schluss ist? Das kann ich verstehen, Anderes aber auch nicht.
Die subtilen oder offenen Schmähungen derer, die damals Alles und für eine -aus seiner Sicht – gerechten Sache gaben, konnte er niemals akzeptieren. Er fühlte sich seinen gefallenen Kameraden zeitlebens verpflichtet.
Wie viel einfacher wäre es gewesen sich als unpolitischer, auf das soldatische zurückzuziehen und sich dafür gelegentlich ehren zu lassen. Es hätte aber bedeutet, sich als Verführter und als Opfer zu präsentieren. Und das war indiskutabel für ihn.
Also wühlte und werkelte er, mal als Anwalt, mal offen – ohne Visier wie er sagte – in einem recht einsamen Kampf.
Es ging dabei um mehr als nur den Kriegsverlauf, es wurde immer politischer. Die Erholung von Nachkriegsdeutschland war erstaunlich und komfortabel. Es interessierte ihn aber eigentlich nicht. Die Schmähungen der Vergangenheit waren ihm unerträglich. Er sammelte jahrzehntelang Unterlagen um eines Tages in eine große Beweisführung eintreten zu dürfen.
Auf dem Weg dorthin gab es auch Verbündete. Längst nicht alle von ihnen hatten den gleichen Horizont wie er. Auch braune Soße war dabei. Schade, dass er dort nicht besser differenzieren mochte, seine Eitelkeit stand ihm dabei vielleicht manchmal im Weg.
Diese Themen sind komplex, emotionsgeladen, einstudiert, eingeimpft, gesetzlich geschützt und folgen einer politischen Linie.
Die Blutspur scheint immer noch zu frisch um sich sachlich und neutral damit auseinandersetzen zu können.
Eines Tages wird das aber dennoch passieren, wo dann die Wahrheit gefunden wird, kann ich nicht vorhersagen.
Hajo Gustav Herbert Fritz Herrmann, der tiefe Zuneigung zur Poesie von Goethe und den Romantikern hatte, der bei Musik größte Schwierigkeiten hatte seine Tränen zu verbergen, der die Natur liebte und dies mit „…wie herrlich leuchtet mir die Natur…“ (nach seiner Meinung) herausschmettert – der bei einem gemeinsamen Flug über dem Ärmelkanal seinen wie Fackeln aufs Wasser rauschenden Kameraden gedankenverloren nachsinnierte, wollen wir jetzt bestatten. Die Batterien einer unglaublichen Energie waren erschöpft.
Ich danke unserer Mutter, die es ihm aufopfernd ermöglichte, zu Hause und nicht, wie er es nannte, in einem „Altenbunker“ zu sterben, denn dort wackeln, nach seinen Worten, nur die Tattergreise herum und wiederholen ständig wirres Zeug.
Zu Hause konnte er bis zum Schluss seinem letzten von vielen Freunden -das Eichhörnchen – täglich mit Nüssen füttern. Dort durfte er in der Küche nach Belieben seinen Griesbrei zum Überkochen bringen. Das hatte nichts mit dem Alter zu tun, das war schon immer so. Am Vortage seines Todes gelang ihm dies plötzlich ohne Rauchentwicklung, das war ein Zeichen höchster Gefahr.
Eine Seebestattung bedeutet für mich Freiheit und Unabhängigkeit. Nichts passt besser zu ihm, denn er lebte das manchmal mehr, als es uns als Familie lieb war.
Über Bord mit Dir in den Bach, in Deine deutsche Ostsee, Pa.
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Politische Korrektheit bei der FAZ
Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Freunde, Kameraden und Kollegen,
anläßlich des Todes von Oberst Hajo Herrmann haben einige junge und junggebliebene Freunde und Kameraden eine Sammlung gemacht, um eine Traueranzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu schalten.
Obwohl nur in kleinem Rahmen kurzfristig gesammelt wurde, kamen über € 1.000 zusammen, so daß auch eine Anzeige für über € 1.200,- gestaltet und in Auftrag gegeben werden konnte.
Daß auch der Tod nicht umsonst ist, ist bekannt und gerade in der FAZ verlangt man hohe Preise, um den Verlust eines lieben Menschen bekanntzugeben.
Nachdem nun die Anzeige übersendet wurde, kam kurz darauf die Reaktion per E-Post: „Da der Text eine politische Aussage enthält, können wir dies so nicht veröffentlichen. Ferner werden Internetadressen in Traueranzeigen auch nicht gedruckt. Bitte um Rückruf.“ So hieß es wörtlich.
Beim Rückruf und der Frage, was denn an der Anzeige politisch sei, erzählte die freundliche Dame, daß es sich ja bei der genannten Auszeichnung um einen Orden aus der Nazizeit handeln würde und auch die Formulierung „Einsatz für Deutschland“ wurde abgelehnt. Auf den Hinweis, daß der Verstorbene Soldat gewesen sei und ebenso wie die Soldaten der Bundeswehr im Einsatz für Deutschland, und daß ferner vor zwei Jahren ein ähnlicher Text zur Erinnerung an den Ritterkreuzträger Otto Riehs ohne Probleme abgedruckt wurde, erwiderte die Dame, sie müßte die Entscheidung dem Chef überlassen.
Nach ein paar Stunden kam der Rückruf von der FAZ mit der Aussage: “Der Chef sagt ‚Absage ohne Begründung’.”
Da wir die Idee nicht so schnell aufgeben wollten, kam man mit der immer noch freundlichen Dame von der FAZ überein, eine zweite geänderte Vorlage zu senden, die hoffentlich als FAZ-kompatibel durchgehen würde. (Siehe Anlage Anz-FAZ-NEU)
Hier folgte dann kurze Zeit später die E-Post:
„den linken Passus, wie bereits telefonisch mitgeteilt und “Wir trauern um einen Helden” müssen Sie bitte entfernen.“
Nach Rücksprache mit Kameraden sah die Antwort an die Anzeigenabteilung der FAZ dann so aus:
„Guten Abend liebe Frau…, ist es nun Blödsinn, Zensur oder “political correctness” den die FAZ hier an den Tag legt? Mir ist es egal. Ich werde die Anzeige nicht weiter beschneiden und verzichte auf den Abdruck.“
Schade und beschämend, aber für mich ist die „Zeitung für Deutschland“, wie es bei der FAZ im Untertitel heißt, uninteressant geworden.
Allen Spendern aus Mannheim, Leipzig, Balingen, Hamburg und Bremen sei hier noch einmal recht herzlich gedankt. Das Geld wird zurücküberwiesen.

Anzeige für Hajo Herrmann vor der Änderung

Anzeige für Hajo Herrmann nach der Änderung
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Hajo Herrmann – Ein Nachruf von Ursula Haverbeck (09.11.10)
Hajo Herrmann, hochdekorierter Jagd- und Kampfflieger, trat zum letzten Fluge an am 5. November 2010
Er schreibt nach zehnjähriger Gefangenschaft:
„Herleshausen! Du kleiner, nie gekannter Ort, Anfang eines neuen Lebens! Nach zehn grauen Jahren in der Fremde plötzlich bunte Märchentrachten wie auf hell erstrahlender Bühne, jubelnde Chöre und feierliche Schritte! Ich bin verwundert über den Glanz wie ein Fremder und begreife nicht, daß er auch mir gilt.
Jetzt erst löst sich das verhärtete Gemüt zu weicherer Empfindung. Ich betaste das Märchen und finde eine beseligende Wirklichkeit. Das war der Willkommensgruß der Heimat, und du bist wieder frei. Das Gefühl durchschauert mich, daß es schmerzt. Das Herz pocht. Ich drücke meinen Kopf an das Polster, schließe die Augen.
Da ist wieder der farbige Reigen, da klingen wieder die hellen deutschen Stimmen von Müttern und Töchtern. Ich genieße das Wunder des Erlebten.
So sinne ich fort, dem Lager Friedland, dem Lande meines Friedens, entgegen, träume, über eine deutsche Straße wiegend, von der bunten Bühne meiner Heimkehr. Immer wieder engt sie sich zum dämmrigen Kreis, in dem eine Frau steht, die uns mit ihren Tränenperlen das Tor der Heimkehr schmückt. Als eine Heilige erscheint sie mir, eine Elisabeth von der Wartburg, die den Armen das Brot nicht bringen durfte.
Leise summt der Motor, die Reifen rauschen unter mir. Wie ein Choral fassen und tragen mich die Stimmen. Wie soll ich danken? Ich habe sechs Jahre an allen Fronten gekämpft. Wunden machten mich trotzig, die Orden stolz. Ich habe zehn Jahre in der Unfreiheit gelebt und versucht, Schwäche und Bosheit zu widerstehen. Ich verlernte Rührung und Tränen. Ich hebe die Blumen an mein Gesicht.“ (aus: „Als die Jagd zu Ende war“)
Gorch Fock sagt: „Ob wir lange oder kurz gelebt haben, das bleibt sich gleich. Der Kreis – unser Lebenskreis – ist immer geschlossen. Es kommt nur darauf an, wie wir diesen Kreis ausgefüllt haben!“
Der Radius des Kreises von Hajo Herrmann ist sehr groß, und er hat ihn ausgefüllt mit Wesentlichem, nicht zuletzt, indem er den zivilen Opfern, den Elenden, Verbrannten im Bombenterror, Ermordeten und Verschleppten eine würdige Gedenkstätte verschaffen wollte. Im sächsischen Borna schien das Ziel erreicht, doch Verblendung und Haß auf der einen Seite und Angst auf der anderen, brachte die bereits mit Leben erfüllte Gedächtnisstätte zu Fall. In der Leipziger Zeitung war mit großer Überschrift zu lesen: „Die Bande, die dort sitzt, muß weg.“
Der noch 1955 Geehrte, wurde 50 Jahre später zum Nazi und Ewig-Gestrigen abgestempelt. Doch sein Vermächtnis wird weiter verfolgt, und wir singen Luther:
„Und wenn die Welt voll Teufel wär’,
und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr,
es soll uns doch gelingen.“
Ursula Haverbeck
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Oberst Hajo Herrmann ist verstorben
von Pro-Sarrazin, am 06.11.2010
Am gestrigen Vormittag ist Oberst Hajo Herrmann im Alter von 97 Jahren verstorben, so teilte uns Frau Herrmann über einen Freund mit. Hajo Herrmann war einer der letzten lebenden Ordensträger der Luftwaffe. Unsere Gedanken gelten Frau Ingeborg Herrmann und den Kindern. Seinen Kameraden und Untergebenen war er stets Vorbild an Tapferkeit, Einsatzbereitschaft und Kampfgeist. Er war auch als Kommandant immer einer von „ihnen“. Wer Hajo Herrmann kennen lernen durfte, hat in ihm immer einen Menschen getroffen, der geradeaus sprach, ohne Schnörkel. So wie die Dinge eben waren. Berühmt wurde Hajo Herrmann als Erfinder der „Wilden Sau“. Die Wilde Sau war die nicht Radar gestützte Nachtjagd im 2. Weltkrieg, die mit einmotorigen Jägern der Typen Bf 109 und FW 190 geflogen wurde. Dabei wurde der Himmel über den Zielgebieten der britischen Terrorbomber, also die großen deutschen Städte und deren Zivilbevölkerung, hell von Flakscheinwerfern ausgeleuchtet, und Hajo Herrmanns Gruppe bekämpfte diese dann direkt. Hajo Herrmann und die Mannen des Jagdgeschwaders „Wilde Sau“ 300 flogen in Halsbrecherischen Einsätzen gegen die viermotorigen Halifax Short Stirling und Avro Lancaster Bomber am Nachthimmel über Deutschland.
Bei dem Versuch Kameraden vor sowjetischer Gefangenschaft zu retten wurde er selbst gefangen genommen und bis 1955 in sowjetischen Konzentrationslagern (GULag) interniert.
Man warf Hajo Herrmann von Seiten sogenannter Antifaschisten immer vor, Nazi zu sein. Hajo Herrmann war jedoch Offizier. Und als Offizier seinem Eid verpflichtet. Was er gedacht und gefühlt hat, hat nichts mit einer politischen Einstellung zu tun. Er war deutscher Nationalist. Ihm lag an Deutschland, und dafür brauchte er kein schlechtes Gewissen zu haben! Kein Offizier braucht sich von linken Bessermenschen und Freunden der Mauerschützen etwas vorwerfen zu lassen!
So gedenken wir, liebe Freunde, Patrioten und Kameraden, heute eines Helden, der ein bewegtes Leben mit vielen Höhen und Tiefen hinter sich lässt. Familie Herrmann lässt mitteilen, dass es keine Beerdigung geben wird. Nach Oberst Herrmanns Wunsch wird eine Seebestattung durchgeführt. Noch einmal unser Beileid an die Familie.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde, Kameraden und Kollegen, anläßlich des Todes von Oberst Hajo Herrmann haben einige junge und junggebliebene Freunde und Kameraden eine Sammlung gemacht, um eine Traueranzeige in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu schalten. Obwohl nur in kleinem Rahmen kurzfristig gesammelt wurde, kamen über € 1.000 zusammen, so daß auch eine Anzeige für über € 1.200,- gestaltet und in Auftrag gegeben werden konnte. Daß auch der Tod nicht umsonst ist, ist bekannt und gerade in der FAZ verlangt man hohe Preise, um den Verlust eines lieben Menschen bekanntzugeben. Nachdem nun die Anzeige übersendet wurde, kam kurz darauf die Reaktion per E-Post: „Da der Text eine politische Aussage enthält, können wir dies so nicht veröffentlichen. Ferner werden Internetadressen in Traueranzeigen auch nicht gedruckt. Bitte um Rückruf.“ So hieß es wörtlich. Beim Rückruf und der Frage, was denn an der Anzeige politisch sei, erzählte die freundliche Dame, daß es sich ja bei der genannten Auszeichnung um einen Orden aus der Nazizeit handeln würde und auch die Formulierung „Einsatz für Deutschland“ wurde abgelehnt. Auf den Hinweis, daß der Verstorbene Soldat gewesen sei und ebenso wie die Soldaten der Bundeswehr im Einsatz für Deutschland, und daß ferner vor zwei Jahren ein ähnlicher Text zur Erinnerung an den Ritterkreuzträger Otto Riehs ohne Probleme abgedruckt wurde, erwiderte die Dame, sie müßte die Entscheidung dem Chef überlassen. Nach ein paar Stunden kam der Rückruf von der FAZ mit der Aussage: "Der Chef sagt ‚Absage ohne Begründung’." Da wir die Idee nicht so schnell aufgeben wollten, kam man mit der immer noch freundlichen Dame von der FAZ überein, eine zweite geänderte Vorlage zu senden, die hoffentlich als FAZ-kompatibel durchgehen würde. (Siehe Anlage Anz-FAZ-NEU) Hier folgte dann kurze Zeit später die E-Post: „den linken Passus, wie bereits telefonisch mitgeteilt und "Wir trauern um einen Helden" müssen Sie bitte entfernen.“ Nach Rücksprache mit Kameraden sah die Antwort an die Anzeigenabteilung der FAZ dann so aus: „Guten Abend liebe Frau…, ist es nun Blödsinn, Zensur oder "political correctness" den die FAZ hier an den Tag legt? Mir ist es egal. Ich werde die Anzeige nicht weiter beschneiden und verzichte auf den Abdruck.“ Schade und beschämend, aber für mich ist die „Zeitung für Deutschland“, wie es bei der FAZ im Untertitel heißt, uninteressant geworden. Allen Spendern aus Mannheim, Leipzig, Balingen, Hamburg und Bremen sei hier noch einmal recht herzlich gedankt. Das Geld wird zurücküberwiesen.

